Daily Reports

6. März 2012

 

Nach den ersten zwei Helikopterflügen zu unseren Stationen auf dem Eis der Laptewsee sowie einem Versuch, eine dritte Station mit dem LKW auf dem Eis zu erreichen, bietet sich jetzt ein Wochenende Zeit, um alle Geräte sowie die Teilnehmer der Expedition wieder auf Vordermann zu bringen.

In diesem Tagesbericht gebe ich nun einen kleinen Einblick wie ich meine ersten beiden Tage weit draußen auf dem Eis der Laptewsee erlebt habe.

Die beiden Helikopterflüge am Montag und Dienstag fanden bei perfekten Wetterbedingungen statt und unter  Polarforschern darf man sich über -38°C (gefühlte Temperatur) leider nicht beschweren.

Nach etwa jeweils 1½ Stunden Flugzeit haben wir unsere Station erreicht, und es konnte mit dem Entladen des Helikopters begonnen werden. Das erste, was nun folgt, ist das Aufbauen des Zeltes, in dem die Biologen und Chemiker sowie die Ozeanographen  arbeiten können. Außerdem bietet das Zelt etwas Schutz vor den eisigen Temperaturen und dem Wind, der gegen Abend an beiden Tagen auffrischte und das Arbeiten nicht erleichterte.

Die Arbeit im Allgemeinen ist auf dem Eis ziemlich anstrengend, da man so dick in Klamotten eingepackt ist, dass man sich kaum bewegen kann. Aber besonders filigrane Dinge, wie kleine Schrauben anbringen oder Kabelbinder festziehen, fallen bei diesen Temperaturen sehr schwer. Sobald ich die Handschuhe ausgezogen hatte, hatte ich nur ein paar Minuten Zeit, bis der eisige Wind meine Hände so sehr abgekühlt hatte, dass ich sie nicht mehr gespürt habe.

Nach etwa sechs Stunden abwechselnden Schwitzens und Durchfrierens ist es dann geschafft – Eislöcher sind gebohrt, alle Wasserproben sind genommen, Messgeräte sind ausgesetzt und alle Eiskerne sind sicher verstaut. Nun können wir uns, nachdem alles wieder im Helikopter verstaut ist, auf den Rückweg machen.

 

Im Namen des gesamten Teams

Bennet

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Helikopter kurz nach der Landung - es wird entladen

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Bennet und Torben sind dabei die Eisbohrer zu starten, um die ersten Eislöcher zu bohren, damit die anderen Arbeitsgruppen ihre Arbeit beginnen können.

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Die Arbeitsgruppe der Eisphysik (Leonid und Igor vom Institut für Arktis- und Antarktisforschung, Sankt Petersburg) startet ihre Versuche auf dem Eis.

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Auch die Meereschemiker, Jens und Andrey, können nun im Zelt ihre Wasserproben nehmen.

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Bennet und Torben bereiten die ozeanographischen Messgeräte vor.

 

4. April 2012

 

Kurze Nächte, eisige Kälte und wolkenloser Himmel über Tiksi: Mit minus 32°C war Tiksi heute Spitzenreiter in der Arktis. Selbst am Nordpol war es wärmer. Seit Beginn der Expedition liegt Tiksi im Einflussbereich eines stabilen Hochdruckgebietes und wir hoffen sehr, das diese für die Forschungsarbeiten hervorragenden Wetterbedingungen noch ein paar Wochen anhalten werden.

 

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Die Kälte macht uns ganz schön zu schaffen undohne spezielle Polarkleidung wären die Forschungsarbeiten auf dem Eis nicht durchzuführen. Daniel Kramer von der Universität Trier ist das erste Mal dabei.

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Igor Sheikin und Leonid Panov vom AARI in Sankt Petersburg müssen für ihre eisphysikalischen Experimente stundenlang und ohne Schutz auf dem Eis arbeiten.

 

10. April 2012

 

Nachdem alle Stationen ein erstes Mal angeflogen wurden, stand nun schließlich eine Woche ohne Flüge auf das Eis an. Das ist für einige Teilnehmer in erster Linie natürlich eine willkommene Erholungspause und eine Möglichkeit, mitgebrachte Arbeit zu erledigen. Wenn man davon aber genug hat, bedarf es in Tiksi ein wenig Kreativität, sich zu beschäftigen, da dieser Ort nicht sehr reich an Kinos, Sportstätten oder sonstigem ist. Also machten sich ein paar Teilnehmer der Expedition auf den Weg, die Gegend um Tiksi etwas zu erkunden.

Unser Ziel war eine kleine Insel, die ca. 7 km entfernt liegt und von Tiksi aus zu sehen ist. Nach etwa zwei Stunden Fußmarsch bei wunderbarem Wetter (Sonnenschein, -20°C) über das Eis der Bucht von Tiksi hatten wir eine Sandbank kurz vor der Insel erreicht. Auf dieser Sandbank liegen etwa fünf bis zehn alte Schiffe, die dort seit über 60 Jahren vor sich hin rosten. Es war ein richtiges Abenteuer, diese Schiffe von innen und außen zu erkunden, wenn die riesigen Schneewehen es denn überhaupt ermöglichten.

Nachdem wir schließlich auf fast jedem Schiff herumgeklettert waren sowie noch ein paar alte Flugzeuge (oder das, was davon übrig geblieben ist) auf der Insel entdeckt hatten, ging es auf den Rückweg.

So lässt sich die willkommene Freizeit in Tiksi wirklich gut aushalten.

In diesem Sinne beste Grüße im Namen aller Expeditionsteilnehmer,

Lera, Torben, Thomas und Bennet

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11. April 2012

 

Darauf hatten wir gewartet! Mit dem Wind aus Süden ist das Packeis nach Norden gedriftet und zwischen dem küstennahen, stabilen Festeis und dem zurückweichenden Packeis hat sich eine Fläche mit offenem Wasser und jungem Eis – eine Polynja –gebildet. Bei -20 Grad und einem fast zweistündigen Flug über eine endlos erscheinende Eiswüste löst der Anblick der offenen Wasseroberfläche immer wieder Erstaunen und Faszination aus. Aber wieso bildet sich die Polynja gerade an dieser Stelle? Warum liegt die Kante des Festeises dieses Jahr viel weiter südlich als in den vergangenen Wintern? Wie stabil ist das Festeis wirklich? Diesen Fragen wollen wir nachgehen. Dazu haben wir an zwei Positionen ozeanographische Messgeräte im Wasser unter dem Eis verankert die die Strömung, Temperatur und den Salzgehalt über einen Zeitraum von drei Wochen aufzeichnen sollen. Eine dieser Verankerungen liegt in der Nähe der Festeiskante. Wir haben diese Position mit Sorgfalt und Vorsicht ausgewählt, denn nur ungern würden wir mit ansehen wollen, dass ein Stück der Festeiskante mitsamt unserer Verankerung abbricht, und die Geräte im Wert eines Mittelklassewagens verschwinden. Anscheinend war unsere Auswahl gut, denn unsere Geräte sind nach knapp zwei Wochen immer noch genau dort, wo wir sie verankert haben. Bis jetzt …

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Der Blick aus zirka 100 m Höhe aus dem Fenster des Hubschrauber auf die Polynja und die Kante des Festeises. Zu kalt zum Baden (-1°C), aber für die Forschung genau richtig.

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Die Verankerung wird erst auf dem Eis zusammengebaut und an die aktuelle Wassertiefe angepasst. Torben und Bennet montieren einen akustischen Strömungsmesser an der Verankerungsleine. Im Vordergrund liegt der improvisierte Anker vom Schrottplatz in Tiksi.

 

12. April 2012

 

Die Verankerung „Central station" mit vier CTD und einem akustischem Strömungsmesser hatten wir am Anfang der Expedition im Festeis ca. 60 km östlich des Lena-Deltas verankert. Insgesamt hat die Messkette 16 Tage (im Sekundentakt) Meeresströmungen sowie Veränderung der Dichteverteilung in der Wassersäule registriert. Ein Ziel dieser Messungen ist es herauszufinden, welchen Einfluss Stürme auf die Wassersäule unterhalb der fast zwei Meter mächtigen Festeisdecke haben.

Gestützt durch den Umweltsatelliten „Envisat" haben unsere Felduntersuchungen gezeigt, dass das Festeis im Gebiet von Station „Central" vor vier Monaten in Küstennähe gebildet wurde und danach nach Osten ins tiefere Wasser getrieben ist. Die Kinderstube des Eises hat deutliche Spuren hinterlassen, denn die oberen 70 cm des Festeises sind durchzogen von Schichten mit Sedimenteinschlüssen, es ist sogenanntes schmutziges Meereis. Die Bildung und der Transport von schmutzigem Meereis sind ein wichtiger Prozess für den Sedimenttransport im Nordpolarmeer.

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Geborgen ... Nach schweißtreibenden Stunden und acht Eislöchern, jedes etwa 160 cm tief, konnte die Verankerung „Central station" am Donnerstag erfolgreich geborgen werden.

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Schmutziges Meereis in Eiskernen der östlichen Laptev-See.

 

16. April 2012

 

Heute bekam die Expedition Besuch von der deutschen Botschaft in Moskau. Der Ständige Vertreter des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland, Herr Dr. Birgelen, Frau Birgelen und der Leiter des Referats für Wissenschaft und Bildung der Botschaft, Herr Heinz, werden die Expedition vier Tage begleiten, um sich vor Ort ein Bild über die bilaterale Kooperation im Bereich der Polar- und Meeresforschung zu machen. Schon am ersten Tag nach der Ankunft in Tiksi wurden die Gäste in die Stationsarbeiten einbezogen und mussten der Expedition auf das Festeis nahe der Polynja folgen.

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Gleich geht es aufs Eis. Herr Dr. Birgelen (rechts), Frau Birgelen und Herr Heinz nach dem Frühstück vor der „Expeditionskantine". Im Restaurant „Sever" werden alle Expeditionsteilnehmer morgens und abends bestens verköstigt.

 

21. April 2012

 

Auf dünnem Eis: Am Freitag, dem 20.04. fand der seit langem geplante Eisdickenmessflug über dem Packeis nördlich der Festeiskante statt. Die Eisdicke lässt sich mit dem BIRD, einem Instrument, das vom Helikopter in etwa 15 m Höhe über die Eisoberfläche geschleppt wird, ermitteln. Perfekte Wetterbedingungen, d.h. geringe Windgeschwindigkeiten und blauer Himmel, ermöglichten uns einen 150 km langen Flug nach Norden und zurück. Das gemessene Eis war im Vergleich zu früheren Messungen überraschend dünn (30 bis 50 cm). Ein Indiz für hohe Eisproduktionsraten in den Monaten davor. Die Messdaten sollen nun zur Verbesserung von Satellitendaten und Klimamodellen beitragen.

 

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Torben Klagge bereitet den BIRD für den Einsatz vor.

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Eisdickenmessgerät (BIRD) 15 m über dem Festeis der Laptewsee im Einsatz

 

22. April 2012

 

Rückkehr zum Camp South

Nachdem wir Anfang April die Wetterstationen am Camp South installiert hatten, war es nun an der Zeit, die Geräte vom Eis zu holen. Die Wetterstationen hatten 24 Stunden durchgemessen, also sollte ein schöner Datensatz mit einer kurzen, aber interessanten Zeitreihe auf uns warten. Da für die ganze Woche das Wetter als eher mäßig angekündigt war, hatten wir uns auf einen kalten, windigen Tag auf dem Eis vorbereitet. Aber das Tiefdruckgebiet machte sich schneller als gedacht aus dem Staub und es war sonnig und gefühlt warm. Natürlich war es deutlich unter 0°C, aber mit der dicken Polarkleidung war es dann doch wirklich angenehm.

Dank der guten Teamarbeit lief der Abbau lief wie am Schnürchen. An der Stelle nochmal vielen Dank an Valeriya Selyuzhenok (AWI),  Sergei Kirillov (AARI) und Viktor Vizitov (AARI) für die vielen helfenden Hände. Dadurch konnten Alfred Helbig und ich (Universität Trier) die drei Stationen in weniger als zwei Stunden abbauen. Auch die übrigen Arbeiten wurden zügig durchgeführt, und die geplanten vier Stunden auf dem Eis wurden auf etwa 2 ½ verkürzt.

Ein wenig wehmütig stiegen wir schon in den Hubschrauber, da es für die meisten von uns der letzte Flug während dieser Expedition war. In wenigen Tagen und nach viel Packerei geht es dann wieder zurück in die Heimat. Auf Wiedersehen, Tiksi.

Daniel

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Ganz entblößt: Die Strahlungsstation ohne Sensoren.

 

 

23. April 2012

 

Die letzten zwei Tage wurde nur noch gepackt und das bei strahlendem Sonnenschein, den wir seit Anfang der Expedition fast durchgehend haben. Insgesamt 3 Tonnen Fracht warten jetzt auf den Rücktransport nach Sankt Petersburg und Deutschland.

Wir sind jetzt auf dem Weg zum Flughafen und in ca. 2 Stunden geht es in Richtung Süden nach Jakutsk. Hier werden wir einen Zwischenstop einlegen und morgen früh gegen 10:00 weiter nach Moskau fliegen.

Gut gelaunt freuen wir uns auf den Frühling in Deutschland.

Tschüss Tiksi, hallo Deutschland

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Die Expeditionsteilnehmer in Tiksi (Sonne bei -12°C).