Daily Reports

Mittwoch den, 17.3.2009

Expedition TRANSDRIFT XV – Eiskalt erwischt

Als wir am Montag pünktlich um 17:00 Uhr in Tiksi gelandet sind, hat es uns gleich eiskalt erwischt. Bei strahlendem Sonnenschein waren die Temperaturen auf minus 39°C gefallen und das zweimotorige Flugzeug, eine etwas ältere Dame namens AN 26, war bereits wenige Minuten nach der Landung völlig ausgekühlt. Fast 30 Stunden unterwegs und ohne Polarkleidung hatten wir dann nur noch den Wunsch, das Flugzeug schnell zu entladen und unser warmes Quartier in Tiksi zu erreichen. Aber es kommt hier immer anders, als man denkt. So waren die Einreiseformalitäten zwar schnell erledigt und das Flugzeug in Rekordzeit entladen, aber eine von vier bereits im letzten Jahr reservierten Gästewohnungen konnte leider nicht von uns bezogen werden, weil dort zur Zeit noch eine andere wissenschaftliche Arbeitsgruppe wohnt. Alternativen gibt es hier nicht, und so müssen wir in den verbleibenden drei Wohnungen für einige Tage zusammenrücken.

Durch einen Frostschaden in der Wohnung des Lena-Delta-Reservats, wo wir auch unser gemeinsames Büro eingerichtet haben, werden wir leider keine Festnetzverbindung haben.

Herzliche Grüße aus Tiksi  
Die Expeditionsteilnehmer


In Jakutsk, der aufstrebenden, durch viele Gegensätze geprägten Hauptstadt der Republik Sacha, hatten wir einen siebenstündigen Aufenthalt auf unserer Anreise nach Tiksi

Ein großer Teil der Expeditions-fracht wurde vor zwei Wochen 
mit einer Frachtmaschine von Moskau nach Tiksi transportiert, und die hoch empfindlichen Mess-
instrumente haben den langen Transport ohne Schaden über-
standen. Nur die „Fotobox" war ziemlich demoliert, obwohl Thomas von der AWI-Meereis-gruppe sie extra in seinem persönlichen Gepäck verstaut hatte

 
 Kaum angekommen werden die Expeditionskisten aus-
 gepackt und Geräte für den ersten Einsatz auf dem Eis
 vorbereitet. Alfred und Susanne, Meteorologen von der
 Universität Trier, haben es besonders eilig, weil die um-
 fangreichen meteorologischen Stationen bereits Ende
 der Woche eingesetzt werden müssen


Im Winter sind Temperaturen um minus 40°C keine Seltenheit in Tiksi. Die Einwohner haben ihr Leben darauf eingestellt und dicke „High-tech"-Polarkleidung, wie wir sie tragen, ist ihnen eher fremd. Froh sind sie, dass die Polarnächte vorbei sind und dass die Sonne endlich wieder scheint

 

 

 

Mittwoch, den 25.3.2009

Expedition TRANSDRIFT XV – Camp „POLYNJA I" seit gestern im Einsatz

Nach umfangreichen Vorbereitungen und zwei verschobenen Hubschrauberflügen haben wir gestern endlich mit den Feldarbeiten begonnen. Nach einem harten Arbeitstag auf dem Eis hatten wir gestern Abend das erste Eiscamp nördlich des Lena-Deltas eingerichtet. Im Eiscamp mit dem Namen „POLYNJA I" haben wir für die nächsten vier Wochen eine automatische Wetterstation eingerichtet und das erste Meeresobservatorium verankert. Außerdem wurden ozeanographische Messungen durchgeführt sowie eine Vielzahl von Eis-, Wasser- und Sedimentproben genommen. Bewährt haben sich unser neues Zelt und ein kräftiger Heizstrahler, denn bei Temperaturen um -25°C würde sonst jeder Arbeitsschritt zur Plage werden. Dennoch: Unsere Wasser- und Sedimentproben sind gleich nach der Entnahme gefroren und viele Messungen konnten wir erst später im Lena-Delta-Reservat durchführen.

Ansonsten hat sich der Tagesablauf eingespielt. Torben, Thomas, Viktor und Alfred haben endlich ihre Wohnungen beziehen können, die Arbeits- und Laborplätze im Lena-Delta-Reservat sind eingerichtet und die gute russische Hausmannskost bei Marina im Restaurant NORD schmeckt allen gut. Verzichten müssen wir allerdings weiterhin auf frisches Obst und Gemüse, weil die Ankunft des seit Tagen angekündigten Frachtflugzeuges aus Jakutsk immer wieder verschoben wird.

Herzliche Grüße aus Tiksi  
Die Expeditionsteilnehmer


Klappzelt Typ „Torben": Unser neues Klappzelt hat die Bewährungsprobe sehr gut
überstanden. Es ist in wenigen Minuten aufgebaut und schützt uns und die Geräte
vor der klirrenden Kälte. Trotzdem, die meisten Geräteakkus waren gestern nach
kurzer Zeit leer und der Motor für unseren Eisbohrer streikte auch

 

 

Kalte Finger: Die Wasser- und Sedimentproben wurden durch ein Bohrloch (Durchmesser ca. 22 cm) in der etwa ein Meter mächtigen Festeisdecke genommen

Freitag den, 27.3.2009

Expedition TRANSDRIFT XV - Camp "POLYNJA II" wird eingerichtet

Es ist 11:15 Uhr und wir befinden uns auf dem Anflug zur Station TI09 04. Vor uns liegen noch fast zwei Flugstunden. Heute wollen wir das zweite Eis-Camp einrichten, mindestens 8 Löcher in das über einen Meter dicke Festeis bohren und fast 100 verschiedene Eis-, Wasser- und Sedimentproben nehmen. Unsicher war bis heute Morgen noch, ob wir überhaupt fliegen können, denn seit zwei Tagen steht die gesamte Region unter dem Einfluss eines kräftigen Tiefdruckgebietes. Laut Wetterprognose sollen die Tagestemperaturen deutlich ansteigen und der Wind stürmisch aus NW blasen. Gut, dass Wetterprognosen nicht immer zutreffen. So ist es zwar mit -16°C deutlich wärmer geworden, aber Sturmböen sind ausgeblieben. 

Auf der Station angekommen, läuft alles wie am Schnürchen. Die Löcher sind schnell gebohrt, das Zelt in wenigen Minuten aufgebaut und die ersten Geräte werden bereits 10 Minuten nach Ankunft eingesetzt. Alfred hat etwas entfernt vom Zelt einen hoffentlich sicheren Platz für die zweite Wetterstation gefunden und Igor, Sergey und Torben bereiten das zweite Meeresobservatorium für den 5-wöchigen Einsatz vor. Viktor, in seinem Petersburger Leben ist er stellvertretender Direktor des AARI und hier soll er uns vor den Eisbären schützen, ist heute besonders aufmerksam, denn im Schnee sind überall frische Spuren von mindestens drei Eisbären.  Am meisten beunruhigt ist Alfred, denn Eisbären haben während der Expedition TRANDRIFT XIII erhebliche Schäden angerichtet. Mit Vorliebe spielten sie mit den langen Kabeln der Wetterstationen.
 


Kisten und Geräte stauen und einmal kräftig durchschütteln lassen: Der Flughafen in Tiksi III liegt ca. 30 Minuten Fahrzeit von unseren Unterkünften in Tiksi I entfernt. In einem LKW müssen wir deshalb die gesamte Feldausrüstung vom Lena-Delta-Reservat zum Flugplatz transportieren


Gute Zusammenarbeit in allen Bereichen: Wie schon während der Expedition TRANSDRIFT
XIII im Winter 2008 werden wir auch dieses Mal von der russischen Luftwaffe mit zwei
MI-8-Hubschraubern unterstützt. Die Besatzungen, 4 Piloten und 2 Mechaniker, freuen sich
schon seit Wochen auf den außergewöhnlichen Einsatz  und meistern die Forschungsarbeiten
mit großer Professionalität. Ohne ihre Unterstützung könnte die Expedition nicht durchgeführt werden, weil im Winter durch das dicke Eis keine Forschungsschiffe eingesetzt werden können

 

 

Mittwoch, den 8. April 2009

Expedition TRANSDRIFT XV – Der Südwind öffnet die Polynja

 

Nach einer kurzen Unterbrechung ist Heli 2 wieder startklar. Thomas, Jens und Sergey wollen für eine Stunde Bildflüge entlang der Polynja durchführen, um die verschiedenen Eistypen und die Eisdicken über die Oberflächentemperatur des Eises zu bestimmen. Pünktlich um 16:00 Uhr sind alle Feldarbeiten abgeschlossen und 16 zufriedene Wissenschaftler starten ihren 2-stündigen Rückflug nach Tiksi. Nach einem warmen Abendessen müssen einige Kollegen dann noch eine Nachtschicht im Labor einlegen, um die heutigen Proben aufzubereiten und erste Analysen durchzuführen.

Herzliche Grüße aus Tiksi  
Die Expeditionsteilnehmer


Vor Eis-Camp Polynja II hatten sich seit unserem letzten
Besuch vor 3 Tagen meterhohe Presseisrücken gebildet

Ein Wind weht aus Süd und zieht mich hinaus aufs Meer ... Aber bevor er uns am Mittwochmorgen wieder an die Festeiskante zieht, schob der Wind seit Samstag das Packeis in der Laptev-See nach Norden und ließ damit die Polynja wieder wachsen. Das war auch bitter nötig, denn Winde aus Nordwest hatten in der letzten Woche die Polynja zugeschoben. Durch die sich rasch verändernden Eisbedingungen an den Eis-Camps Polynja I und II mussten wir versuchen, die Meeresobservatorien und meteorologischen Stationen möglichst schnell zu bergen. Auf den Satellitenaufnahmen war schon zu erahnen, dass ein Stück des Festeises, auf dem das Eis-Camp I installiert war, abgebrochen war. Nachdem der Hubschrauber die ursprüngliche Position angeflogen hatte, um dort nur noch junges Eis zu finden, war die Befürchtung zur Tatsache geworden. Unsere Messgeräte drifteten irgendwo auf einer Festeisscholle, die jetzt Teil des beweglichen Packeises geworden war. Während wir unsere Feldarbeiten an einer anderen Position begannen, wurde das Gebiet bestimmt, in der wir das verschollene Eis-Camp suchen wollten. Doch schon während des Anfluges konnten die bebrillten, aber anscheinend scharfen Augen von Heidi das Eis-Camp von weitem ausmachen. Nachdem wir die Position genommen und das Areal großflächig markiert hatten, konnten die Meeresobservatorien und die meteorologische Station am nächsten Tag geborgen werden. Am Tag unseres Suchfluges musste auch schon die meteorologische Station am Eis-Camp II geborgen werden. Die Eisbären hatten ganze Arbeit geleistet. Leider waren auch an der driftenden Station die Eisbären mit Zähnen und Krallen am Werke gewesen. Wir möchten die Schäden nicht im Detail beschreiben. Nur ein kurzer Kommentar sei noch gestattet: Eisbär Knut und seine Artgenossen haben nicht mehr unsere volle Sympathie!

Der dritte Flugtag in Folge führte uns wieder zum Eis-Camp II, an dem wir zwei Tage zuvor schon Feldarbeiten durchführten. Hier hatte mittlerweile das von Norden heranrückende Eis einen zirka 3 m hohen so genannten Presseisrücken vor der Position des Meeresobservatoriums aufgeschichtet. Bei dem Versuch die Geräte zu bergen, zeigte sich schnell, dass das Eis nicht nur an der Oberfläche seine Kräfte spielen ließ, sondern auch unter dem 1 m dicken Festeis und dass unsere Geräte abgerissen wurden. Totalverlust!


Das Bergungsteam auf dem Anmarsch zu Station Polynja II.
Torben führt das Team an und hofft noch - wie wir alle -, dass die Messinstrumente nicht vom Eis zerdrückt wurden

 

Aber seit ein paar Tagen sieht alles wieder anders aus: Die Polynja weitet sich und wir konnten stabile und sichere Abschnitte am Rand der Polynja ausmachen, auf denen wir nun erneut unsere Geräte ausbringen. Außerdem werden wir einige Ratschläge der einheimischen Ewenken befolgen, um die meteorologischen Stationen für Eisbären möglichst unattraktiv zu gestalten. Beharrlichkeit und Anpassungsfähigkeit gehören neben Geduld nun mal zu den Grundtugenden in der Arktis.

Herzliche Grüße aus Tiksi  
Die Expeditionsteilnehmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hauptsache, die Eisbären hatten ihren Spaß. Alfred verließ seinen Arbeitsplatz vor drei Tagen eigentlich recht ordentlich. Den Besuch einer dreiköpfigen Eisbärenfamilie hatte er nicht eingeplant

 

 

Sonntag, den 12.4.2009

Expedition TRANSDRIFT XV – Von Ostereiern, Bären und Kabeln
Nachdem wir die letzten Tage damit verbracht haben, alle Eis- und Eisbärenschäden an den Meeresbodenobservatorien und den meteorologischen Stationen zu begutachten und weitestgehend zu reparieren, konnten wir während unseres letzten Flugtages ein Meeresbodenobservatorium und eine meteorologische Station nahe der Festeiskante auf ca. 1,20 m dickem Eis neu ausbringen.

Inwiefern die Stationen und Geräte den gestrigen Schneesturm und die sich wahrscheinlich zahlreich um die Stationen versammelnden Eisbären und Polarfüchse („endlich mal etwas Abwechslung") verkraftet haben, wird sich Dienstag während unseres nächsten Flugtages zeigen. Dann wollen wir, neben der Prüfung der „alten" Stationen, auch die zweite meteorologische Station wieder aufstellen, deren Reparatur etwas länger gedauert hat und bei der leider auch nicht alle Sensoren zu retten waren.

Als Nebenprodukt all dieser Reparaturen lässt sich mittlerweile übrigens ziemlich leicht eine „Hitliste der beliebtesten Kauprodukte der hiesigen Polartiere" erstellen:

  • Auf Platz 4 stehen Stahl-Gestänge und Titan-Eisschrauben – zwar gab es offensichtlich mehrere Versuche, diese Dinge irgendwie zum Spielen oder Drauf-Herumkauen (Aua …) zu benutzen, aber bis jetzt ist jeder Versuch erfolglos abgebrochen worden.
     
  • Auf Platz 3 stehen original Campbell-Kunststoff-Stecker: Sehr beliebt zum Drauf-Herumkauen und zum Genüsslich-mit-der-Tatze-Zertrümmern. Den Kauspuren nach zu urteilen sind diese Stecker bei Polarfüchsen und jungen Eisbären gleichermaßen beliebt
     
  • Auf Platz 2 steht, unerwarteterweise, Holz: Die Bohrlöcher der Meeresbodenobservatorien werden von uns mit Holzbalken markiert, doch dieses Mal kamen diese Holzstücke besonders gut bei den Eisbären an, denn es gab auf beiden Stationen kein einziges Holzstück mehr, in dem keine Biss- oder Fraßspuren zu sehen waren. Wir spekulierten bereits kurzzeitig über die Entdeckung der Gattung „Polynja-Biber" …
     
  • Auf Platz 1 stehen, das andere Feld weit abhängend, die Kabel der meteorologischen Station: Diese wurden sowohl von den Polarfüchsen als auch den Eisbären genüsslichst zerkaut und zerbissen. Zwar waren die Kabel durchaus schwer erreichbar und gegen Vandalismus geschützt verlegt, aber der Einzelsieger in dieser Kategorie, ein 2 m langes schwarzes Silikon-Kabel, hatte insgesamt 13 tiefe Bisse quer durch das Kabel – eine schwer zu toppende Leistung.

Nicht ganz so beliebt scheinen wiederum mit anderem Kunststoff ummantelte Kabel zu sein, diese wurden nach ein- bis zweimaligem Ankauen meist als nicht gut genug befunden.

Natürlich ist diese Hitliste nicht wirklich repräsentativ – nichtsdestotrotz würden wir Leuten, die zwecks Eisbär-Beobachtungen in die Arktis fahren, durchaus raten, einen ausreichend großen Vorrat an schwarzen Silikon-Kabeln mit sich zu führen. Die Chancen, damit einen Eisbären anzulocken, erscheinen uns momentan recht hoch.

Ob die Polarfüchse und Eisbären unsere Stationen wegen des heutigen Osterfestes übrigens als schlecht versteckte aber gut verpackte Ostereier ansehen und sich dementsprechend über diesen ungewöhnlichen Fund „freuen", sei dahingestellt und der Phantasie des Lesers überlassen.

Beste Grüße aus der sonnigen Arktis,
das Expeditionsteam

 

 

 


Gegen neugierige Bären: In stundenlanger Heimarbeit haben Torben und Alfred diese Wunderdose (Teile von einem alten Ölfass wurden abgewickelt und neu abgekanntet), die schwarze Kabel vor groben Bärentatzen schützen soll, gebastelt. Hoffentlich halten die Eisbären dies nicht für eine Geschenkverpackung


Bärentatzen, überall Bärentatzen …                    

 

 

Montag, den 13.4.2009

Expedition TRANSDRIFT XV – Osterhase mit kalten Füßen

Bei Schneesturm und einem kräftigen Temperatursturz hatte der Osterhase dieses Jahr seine Mühe, pünktlich bei uns anzukommen. Trotzdem fanden sich auf dem Frühstückstisch ein paar nett verpackte Schokoladeneier und nachmittags gab es sogar selbst gebackenen Apfelkuchen.
Uns ist dank Internet klar, dass die Temperaturdifferenz zu Deutschland über 40° beträgt und der Osterspaziergang dort in leichter Sommerbekleidung stattgefunden hat. Trotz eines leichten Anfluges von Neid wünschen wir allen ein schönes Osterfest.

Leider musste die Ostereiersuche in diesem Jahr aufgrund des Schneesturms ausfallen.

Bei uns geht es morgen wieder in Richtung Laptev-See-Polynja, um die spannenden Forschungsarbeiten in den nächsten zwei Wochen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Herzliche Grüße aus Tiksi
Die Expeditionsteilnehmer

 

 

 


Leider musste die Ostereiersuche in diesem Jahr aufgrund des Schneesturms ausfallen

 

 

 

Sonntag den, 19.4.2009

Expedition TRANSDRIFT XV – Minister Uwe Döring gut in Tiksi angekommen
Der Minister für Justiz, Arbeit und Europa des Landes Schleswig-Holstein Uwe Döring begleitet seit Freitag unsere Forschungsarbeiten. Über seine Erfahrungen und Erlebnisse während seines zweiwöchigen Aufenthaltes wird Uwe Döring täglich in der shz (www.shz.de) berichten.

Mit Uwe Döring sind auch die ersten Vögel wieder in Tiksi eingetroffen und es ist nochmals deutlich wärmer geworden. In Tiksi sind diese Frühlingsboten natürlich sehr willkommen,  aber in den Eis-Camps, ca. 200 km nördlich von Tiksi, hätten wir gerne noch winterliche Bedingungen mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die -20°C. Stattdessen haben wir viele Schneestürme, und die Forschungsarbeiten sind deutlich schwieriger geworden. Aber was tut man nicht alles für die Forschung ... Denn bei starken Südwinden raucht und schäumt es in der jetzt über 40 Kilometer breiten und mehrere 100 Kilometer langen Polynja, die sich nördlich des Lena-Deltas zwischen dem Festeis und dem Packeis geöffnet hat. Seit unseren eindrucksvollen Überflügen am Freitag sind nun alle von der großen Bedeutung der Laptev-See-Polynja für die Eisproduktion im Arktischen Ozean und die Ozeanzirkulation restlos überzeugt. Mit Spannung erwartet werden deshalb die Daten des Meeresobservatoriums Polynja III, das nächsten Freitag geborgen werden soll.

Herzliche Grüße aus Tiksi  
Die Expeditionsteilnehmer


Minister Döring (rechts im Bild) möchte sich persönlich einen Ein-
druck von den Klimaveränderungen in der sibirischen Arktis
machen und vor Ort die Feldarbeiten der deutschen und russischen
Polarforscher unterstützen. Dafür investiert er zwei Wochen seines Jahresurlaubes.

 

 

 

 

Beeindruckend hat sich letzte Woche die Laptev-See-Polynja knapp 100 Kilometer nördlich des Lena-Deltas entwickelt. Starker Wind treibt neu gebildete Eiskristalle zu einem Eisbrei zusammen, der sich dann in langen Bahnen parallel zur Windrichtung anordnet.

 

 

 

Dienstag, den 21.4.2009

Die Vermessung des Eises aus der Vogelperspektive

Die Messungen der Oberflächentemperatur und die Luftbildaufnahmen sind von essentieller Bedeutung für die Bestimmung der Eisdicken innerhalb der Polynja. Hierzu fliegt der Helikopter etwa 100 m über dem Eis in der Laptev-See mit einer Geschwindigkeit von 120 km/Std. Jeder Messflug dauert etwa 1 Stunde.

Die Arbeit von Susanne, Jens und Alfred, in den ersten beiden Wochen mit Thomas' tatkräftiger Unterstützung, beginnt am Abend vor dem Flugtag mit der Flugplanung. Dazu wird anhand von Radar-Satellitenbildern (Envisat-SAR) ein geeignetes Profil im Zick-Zack-Kurs über der Polynja bestimmt. Trotz der Vorfreude auf den Messflug, der neben den gewonnenen Daten auch immer persönliche atemberaubende Eindrücke mit sich bringt, sind die Wissenschaftler etwas bange, ob die momentane Eislage auch der Planung des Vortages entspricht. Ist dies nicht der Fall, muss der Profilflug vor Ort angepasst werden, wobei höchste Konzentration gefragt ist.

Nachdem die MI-8-Helikopter entladen sind, kann das Fernerkundungsteam beginnen, einen der beiden Helikopter für den Messflug vorzubereiten. Dazu wird erst einmal dessen Bodenluke geöffnet und unsere Box, mit der Digitalkamera und dem Infrarot-Thermometer KT15 ausgerüstet, darin befestigt. Anschließend werden zwei GPS-Geräte installiert und sämtliche Geräte mit dem Laptop verbunden.

Ist alles vorbereitet, kann es endlich losgehen – der Flug über die Polynja. Die Geräte werden ständig kontrolliert und trotz der 30-Sekunden-Intervall-Schaltung der Kamera wird an sehr markanten Stellen der Polynja die Kamera zusätzlich ausgelöst. Im Idealfall überfliegt der Helikopter zuerst die Festeiskante, dann einen Bereich offenen Wassers mit sich anschließendem dünneren Eis, bis wieder dickeres Eis erreicht wird.

 

 

 

 

 


Torben, Sergey und Kostya bei der Eisdickenmessung. Diese Messungen werden zur Kalibrierung der Dünneisdicken, die aus den KT15-Messungen abgeleitet werden, benötigt.

Das eben erwähnte KT15 ist ein Infrarot-Thermometer, das durch Messung der emittierten Strahlung der Eisoberfläche deren Oberflächentemperatur anzeigt. Später soll mit Hilfe dieser Daten zusammen mit meteorologischen Größen wie Lufttemperatur und Wind zum einen die Eisdicke im Bereich von 0-50 cm berechnet und zum anderen die Übereinstimmung mit Satelliten-Infrarotaufnahmen (MODIS) festgestellt werden. Diese sogenannte Dünneisdicke ist sehr wichtig zur Bestimmung von Eisproduktionsraten und gibt damit einen umfassenden Einblick in die Dynamik des Eisregimes der Polynja. Die Luftbilder dienen schließlich dazu, später die Eislage genau nachvollziehen zu können, und geben damit Anhaltspunkte über die Eisdicke.

Schöne Grüße aus Tiksi,
die Expeditionsteilnehmer

 

 

Sonntag, den 26.04.2009

Expedition TRANSDRIFT XV – Grillfest im Schneesturm

Die letzte Woche hatte es in sich, denn gleich mehrere Schneestürme fegten über uns hinweg, und wir sind froh, dass Alfreds Wettervorhersagen für die beiden noch möglichen Flugtage dieses Mal zugetroffen haben. Das Meeresobservatorium Polynja III und beide meteorolo-gischen Stationen wurden erfolgreich geborgen, und darüber hinaus haben wir nahe dem Lena-Delta auf dem fast zwei Meter dicken Festeis und an der Polynja alle abschließenden Messungen erfolgreich durchführen können. Fazit: Alles ist wieder ganz anders als erwartet, der Frühling kommt immer früher und Eisbären hassen Diesel. Spannend verlief deshalb unser heutiges Seminar über die Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten während der Expedition.

Hartgesotten sind wir in der Zwischenzeit, was das Wetter angeht. So haben wir gestern unser seit sechs Wochen geplantes Grillfest während eines schweren Schneesturms mit Orkanböen bei sehr guter Stimmung und mit viel Spaß durchgeführt. Heute waren die meisten Straßen in Tiksi immer noch durch mächtige Schneeverwehungen gesperrt, und schwere Räumfahrzeuge waren stundenlang unterwegs, um  die Wege wieder passierbar zu machen.

Kisten packen, Listen schreiben, Daten austauschen und Pläne für unsere nächsten Expedi-tionen schmieden. Genauso verlief unser letzter ziemlich anstrengender Tag in Tiksi. Torben hatte es am schwersten, denn wie immer war er wieder für alles zuständig und parallel dazu bereitete er noch die Sommer-Expedition TRANSDRIFT XVI vor. Er wird im August mit einem Team von 10 Wissenschaftlern nach Tiksi reisen, um mit dem Forschungsschiff „Yakov Smirnitsky" die Meeresobservatorien ANABAR und KHATANGA zu bergen.

Herzliche Grüße aus Tiksi
Die Expeditionsteilnehmer

 

 


Die Teilnehmer der Expedition TRANSDRIFT XV verabschieden sich aus Tiksi. Von links nach rechts: Jens, Sergey, Heidi, Susanne, Mikhail, Victor, Alfred, Uwe, Torben, Katya I, Fedor, Katya II. Katya III, Sergey II. Vladimir und Sasha sind nicht auf diesem Foto, weil sie im Labor gearbeitet haben.